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Eine verbesserte DDR?

Aug 5

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Donnerstag, 5. August 2010  RssIcon

Ein Leserbrief von Sören Becker, seineszeichens Vorsitzender des Ortsverbands Kehl der Linken, durfte nicht unbeantwortet bleiben. Abgesehen von einer fürchterlichen Rechtschreibung hat der Mann einfach keine Ahnung von Geschichte, so z.B. seine Positionen zum Thema DDR. Vielleicht nicht nur jungeWelt lesen?

Eine kritiklose, plumpe Widergabe ostalgischer Legenden aus tausendundeiner Nacht haben Sie da abgeliefert, Herr Becker. Dass da gut eingeschliffene alte Reflexe am Werk waren, merkt man an der Abqualifizierung und Skandalisierung Andersdenkender. Die Partei, die Partei, die hat immer Recht.

Es steht Ihnen zu, alles zu äußern, was sie wollen. Auf offensichtliche Schwächen Ihrer Deutung deutscher Geschichte muss man indes hinweisen.

Ja, es gab kostenlose Kindertagesstätten in der DDR. Der Staat sicherte sich damit die Erziehungskompetenz und konnte so einfacher ideologisch auf den Nachwuchs einwirken. "Sozialistische Persönlichkeit" nannte man das dann euphemistisch. Von Freiwilligkeit war da keine Spur, zwang doch die Arbeitspflicht die Frauen quasi zur Abgabe ihrer Kinder. Das ostdeutsche Bildungssystem produzierte mehr Ungelernte und weniger Hochschulreife als das westdeutsche.

Die Arbeitspflicht erklärt auch das Fehlen der Erwerbslosigkeit. Was verboten ist, das kann es ja nicht geben, oder? Die Wahrheit ist: die letzten 10 Jahre hielt sich die DDR-Ökonomie mit westdeutschen Finanzspritzen, als Billiglohnland für westeuropäische Unternehmen und als Widerverkäufer billig zur Verfügung gestellten sowjetischen Öls über Wasser. Die Umweltzerstörungen in der DDR bleiben beispiellos, ebenso der Verfall der städtischen Bausubstanz. Die Betriebe standen schon vor der Wende in der Regel still. Trotzdem bekamen die Arbeiter und Bauern einen Lohn, das eingeschränkte Warenangebot vermied aber unnötigen Luxus, um es mal schön auszudrücken.

Ebenso verboten waren Faschismus und Fremdenhass. Faschisten wurden zunächst "umerzogen" (per Streichung des Wortteils „National“), mit Beschluss des SED-Zentralsekretariats vom 15. Juni 1946 wurde eine Aufnahme von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern in die SED aber auch ohne Umerziehung möglich. Zum Thema Fremdenhass gibt es eine sehr schöne Forschungsarbeit von Dr. Patrice Poutrus, „Fremde und Fremd-Sein in der DDR“.

„Sozialistische Nachbarschaftshilfe“ á la DDR bedeutete in den 70er Jahren finanzielle und informationelle Unterstützung der RAF. Ist die Unterstützung von gewaltbereiten Gruppen in einem Nachbarland „internationale Solidarität“ oder eine Aggression? Wie die DDR es mit dem Imperialismus hielt, ist auch relativ einfach zu klären. Wollte ein Staat aus dem Sowjetimperium ausscheren, konnte sich die Sowjetunion der Unterstützung Ost-Berlins sicher sein. Nach Kuba und der Sowjetunion war die DDR ferner der drittstärkste Truppensteller bei Auslandseinsätzen des Ostblocks.

Ein Monopol auf Widerstand gegen Willkür kann ich auch nicht ausmachen, oder sind Ihnen Wyhl und Stuttgart21 kein Begriff. Mal abgesehen davon, dass sie an dieser Stelle die Ebene staatlichen Handelns bewusst verlassen. So wird der Bruch mit dem System auch noch zum Triumph desselben.

Von Ihrem Märchenland bleibt nicht viel übrig. Das Allermeiste kann man inklusive Quellenangaben kostenlos in der Wikipedia finden. Sie müssen nur wollen.

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Re : Eine verbesserte DDR?

Getroffene schreien auf...
s144731316.online.de/wp-land/ov-kehl/?p=214

Nein, ich habe kein Wikipedia-Halbwissen zusammengetragen und kenne genug Ex-DDR-Bürger, die das System verfluchen. Natürlich habne sie auch gute Erinnerungen, die aber herzlich wenig mit dem Staat zu tun haben.

Diesen noch 21 Jahre nach der Widervereinigung zu verteidigen, bezeichne ich mal grob als infantil. So infantil wie die gezeigte Reaktion.

By Markus Zoschke on   Dienstag, 17. August 2010

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